Bisamapfeluhren

Bisamäpfel sind ursprünglich Riechäpfel, die im Mittelalter vom Orient her über ganz Europa Verbreitung fanden und aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse in den Städten getragen wurden. Sie waren kugelförmig mit einem oder mehreren zentralen Abteilen, in die die Riechsubstanz  (Bisam oder anderes) eingefüllt wurden. Erhaltene Riechäpfel haben desweiteren Öffnungen in der äußeren Hülle damit der Geruch  besser austreten konnte. 


 

 

Im frühen 16. Jahrhundert begann Peter Henlein als 'der ersten einer', in diese Riechessenz-Behälter kleine Uhrwerke einzubauen. Die Gestalt war dabei eine untere Kugelhälfte, an der die obere Kugelhälfte mit einem Scharnier befestigt war. Die obere Kugelhälfte konnte aufgeklappt werden - darunter zeigte sich im Inneren eine weitere - kleinere - Kugelhälfte, auf deren Oberseite das Zifferblatt eingraviert ist. Um das Zifferblatt sind 12 Tastknöpfe angebracht - wobei der Knopf bei der '12' bei originalen Uhren immer höher und spitzer als die anderen 11 ist, damit ab der 12 per Fühlen gezählt werden konnte.

 

Im Inneren befindet sich das eiserne Werk. Dieses besteht aus Gehwerk und Weckwerk bzw. manchmal nur einem Gehwerk. Da die Werke dieser Uhren Feilspuren zeigen und nicht poliert sind, wurden Kratzer manchmal mit Buchstaben von 'Signaturen' verwechselt (z.B. N, P, H). Das Gehäuse von Uhren mit Weckwerk hat unten kleine Füßchen zum Stehen. Das Gehäuse von Uhren ohne Weckwerk ist unten abgeflacht. Die Gehäuse aller als original gesicherten Uhren bestehen aus Messing und haben in allen Fällen sehr lebensnahe Gravuren von Portraitmedaillons oder auch Ranken.

 

Es ist bekannt, daß u.a. Peter Henlein Uhren in der Gestalt von Bisamäpfeln baute - es hat sich aber keine originale Uhr erhalten, die von ihm signiert ist oder ihm zugeschrieben werden kann.

 

Heute sind nur noch drei solche als authentisch gesicherte Bisamapfeluhren bekannt:

  1. Eine Bisamapfeluhr mit feinen Gravuren (ohne Glocke) - Privatsammlung, Qatar 2
  2. Eine Bisamapfeluhr aus dem Besitz von Philip Melanchthon, datiert 1530 - Walter's Art Museum, Baltimore - die älteste erhaltene tragbare Uhr mit Datierung
  3. Eine Bisamapfeluhr mit Glocke im Boden und durchbrochenen Seiten - Privatsammlung, Qatar 1

Eine vierte Bisamapfeluhr befand sich vor dem zweiten Weltkrieg in Dresden im Mathematisch-Physikalischen Salon. Von dieser Uhr ist noch ein Fragment erhalten.

 

Von Bisamapfeluhren zu unterscheiden sind kugelförmige Uhren, wie sie v.a. in Frankreich Mitte  des 16. Jh gebaut wurden (u.a. Jacques de la Garde, datiert 1551). Sie waren zumeist klein genug um am Körper getragen zu werden, es gab aber auch vereinzelt Größere zur Anbringung an der Decke o.ä.

 

Solche post-Bisamapfel Kugeluhren wurden auch in Deutschland gefertigt - unten werden zwei am Körper tragbare Exemplare gezeigt.

 

    

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